Wir haben die Zeit erreicht, wo das Aussehen viel wichtiger ist, als die Gesundheit selbst. Diese Einstellung, diese Modeerscheinung haben wir Menschen nicht nur an unsere Way of Life adaptiert sondern auch an unseren Haustieren. Die Rassestandards viele Hunderassen haben Ähnlichkeiten mit Kindergesichtern oder Gesichtern nicht ausgewachsenen Hunden. Haben Sie mal drüber gedacht, welche Nachteile so eine Deformation mit sich bringt?

Welche Rassen sind brachyzephal und was heißt überhaupt Brachyzephalie?

Rassen, die brachyzephal sind: 

  • American Bulldog
  • Boston Terrier
  • Boxer
  • Cavalier King Charles Spaniel
  • English Bulldog
  • French Bulldog
  • Lhasa Apsos
  • Mops
  • Pekinese

 Brachyzephalie kommt aus dem griechischen  ”Βραχυκεφαλία”. 

Βραχυ = Kurz  und  κεφάλι (-κεφαλία) = Kopf. 

Wir sprechen von einer Kurzköpfigkeit. Es ist eine Deformation des Kopfes, die erblich bedingt ist. Ziel dieser genetischen Veränderung ist ein runder Kopf, große Augen und kurze Kieferknochen, damit  die Tiere süß und niedlich erscheinen lebenslang.

 

Welche sind die Nachteile dieser Zuchtrichtung und Deformation für die Hunde ?

Wie so oft hat man sich oder seine Freunde  erwischt,  wie auf Instagram, Facebook und co Bilder und Videos von Hunden, nur weil die so klein und süß und wie ‘Babys’ aussehen geliket hat. Wie oft kommt der Satz, ”Ich will so eins ”, bei brachyzephalen Hunderassen. Ich sag Ihnen schon, zu oft.  Was man aber als Laie nicht versteht, ist die gesundheitliche Bedeutung von Atemnebengeräuschen. Es ist kein Wohlbefinden und es ist nicht mit dem Schnurren der Katze zu vergleichen. Dass die Atemluft aber bei jedem Atemzug beeinträchtigt wird und eine tierschutzrelevante Problematik entsteht, ist häufig nicht den Menschen bewusst.

Gut zu wissen

Brachyzephalie beeinträchtigt zusätzlich die lebensnotwendige Sauerstoffaufnahme. Die Temperaturregulation funktioniert nicht normal. Die Wärmeaustausch findet zum großen Teil von der feuchten Nase und den Zungengrund statt. Wenn es aber nicht ausreicht, dann fängt der Hund zu hecheln an, um überschüssige Wärme abzugeben. Da Hecheln (Totraumatmung = kein Sauerstoffaustausch) verbraucht viel Energie, was wiederum durch die Anstrengung zu einem Anstieg der Körpertemperatur führt.

Bei brachyzephalen Hunden wird die Temperaturregulation durch die anatomisch veränderte Strukturen verhindert. Der Körper ist somit zusätzlich belastet und sie haben ein höheres Risiko eines Hitzschlags. Spaziergänge bei hohen Umgebungstemperaturen, körperliche Anstrengung beim Spielen, Stress und jegliche Art von Aufregung gehen mit einem erhöhten Sauerstoffbedarf einher und verstärken die Atembeschwerden. 

Warum kommt es zu Atemnot?

Eingeschränkte Luftstrom zeichnet sich durch pfeifende, grunzende oder schnarchende Atemgeräusche. Die anatomischen Besonderheiten verursachen die Atembeschwerden bei den brachyzephalen Hunderassen. Die zu kleine Nasenlöcher behindert die Inspirationsluft, zwischen die Nasenmuscheln bleibt kaum Platz. Im Verhältnis zu den Nasenhöhlen durch den kleinen Kopf sind die Nasenmuscheln viel zu groß und wirken verdickt. Verkrümmung der Nasenscheidewand erhöhen den Strömungswiderstand der Atemluft. Die Zunge ist zu groß und so rollt sich nach oben und erschwert weiterhin die Inspiration. 

Im Nasen-Rachen-Raum befindet sich viel Gewebe, der sich mit den Atemphasen sich bewegt und sich entzünden kann und Gewebsflüssigkeit sammeln kann (Ödeme). Der Kehlkopf, der von mehreren Knorpeln sich zusammen setzt, verliert an Halt und Festigkeit und somit an Stabilität. Dies kann zu Larynxkollaps führen (Kollabieren des Kehlkopfs). Bei manchen brachyzephalen Hunden sind die Knorpelspangen zu weich, sodass die Luftröhre kollabiert ( Trachealkollaps). 

Tierschutztrelevanter Aspekt der Brachyzephalie

Die anatomischen Besonderheiten brachyzephaler Rassen verursachen einen erhöhten Atemwiderstand bei der Einatmung der Hunde. Auffällig ist, dass betroffene Hunde selbst in Ruhezustand vermehrt zum Hecheln neigen und in Ruhe oder bei leichter körperlicher Anstrengung Atemnot entwickelt. Atemnot ist mit dem subjektiven Gefühl des Erstickens verbunden und löst somit Unwohlsein, Beklemmung und Angst aus. Die Aktivierung bestimmter Hirnareale und die erhöhten Druckbelastungen bei der Atmung verursachen darüber hinaus Schmerzen. Die immer intensivere Atmung kann Gewebeschäden und Erschöpfungszustände des Hundes verursachen. Ist die Atemnot so ausgeprägt, sodass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, kann der Hund das Bewusstsein verlieren. Bei der sogenannten Syncope fallen die Hunde schlagartig um und verhalten sich nach einer kurzen Erholungsphase vollkommend wieder normal. Eine länger andauernde Bewusstlosigkeit bei anhaltender Atemnot kann Schäden des Gehirns verursachen und zum Tod des Hundes führen.

Was ist zu tun.....

Was ist zu tun?

Die Brachyzephalie führt zu massive und komplexe Veränderungen, die negative Auswirkungen auf das Leben des Hundes haben. Auch wenn es durch chirurgische Eingriffe das Atmen erleichtert wird, ist eine Heilung nicht möglich. Wichtig ist die Tierhalter zu sensibilisieren. 50 % der Tierbesitzer erfinden die Atembeschwerde ihres Hundes nicht als Problem. Einige bezeichnen es sich als rassetypisch.

Es gibt keine rassetypische Atemgeräusche. Der Erwerb von Welpen aus Qualzuchtungen muss verhindert werden. Nur so kann es zu einem Wandel der Zucht kommen.